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18.12.1955 Thomas Kretschmer geboren
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Seine Jugendstrafe trat er in Ichtershausen an. Hier unterzeichnete er zunächst eine Verpflichtungserklärung zur Mitarbeit für das MfS, dann folgte der schriftliche Widerruf gegenüber dem Führungsoffizier. Die Verpflichtungserklärung war als Druckmittel gegen ihn benutzt worden. Nach der Haftentlassung im Jahr 1974 erfolgten erneute Versuche des MfS (Ministerium für Staatssicherheit), ihn zur Mitarbeit zu erpressen, denen er sich verweigert und durch Dekonspiration entzog. Dann kam es zum Kontakt zur Offenen Jugendarbeit in Jena und unter dem Einfluss der evangelischen Jugendarbeit erfolgte sein Übertritt zur evangelischen Kirche. In den Jahren von 1974 bis 1976 arbeitete er als Krankenpfleger im Städtischen Krankenhaus in Jena und in einem Behindertenheim in Bad Blankenburg. Er wurde aktiv in der alternativen Jugendszene in Jena und begann im Jahr 1976 sein Theologiestudium am Erfurter Predigerseminar. Dann heiratete er und zog nach Apfelstädt bei Erfurt in ein Pfarrhaus, das sich zum Anlaufpunkt der Offenen Arbeit entwickelte. Im Jahr 1979 erfolgte die Unterbrechung des Studiums aus persönlichen Gründen und im Jahr 1980 kam es nach einem MfS-Maßnahmeplan zur Verwehrung der Fortsetzung des Studiums durch die thüringische Amtskirche. Im November 1980 kam es erst zur Wehrdiensttotalverweigerung, dann zur Inhaftierung, im Dezember 1980 zur Verurteilung auf Bewährung und Entlassung aus der Haft nach der Bereitschaftserklärung, den Wehrdienst als Bausoldat abzuleisten. Hier zeigte sich sein offensives Eintreten für pazifistische Ideen und seine öffentliche Solidarisierung mit der Solidarnosc in Polen. Im Januar 1982 wurde er erneut verhaftet und bis Juni des Jahres U-Haft in der zentralen U-Haftanstalt des MfS Berlin-Magdalenenstraße festgesetzt. Im August 1982 wurde er vom Militärobergericht Halle zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt und im Januar 1985 erfolgte die Überstellung in die MfS-Abschiebehaftanstalt Karl-Marx-Stadt. Nach Verweigerung der Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland kam es zur Fortsetzung der Haft in Karl-Marx-Stadt und Leipzig, wo er bis zum Juli 1985 weiter inhaftiert war. Aufgrund kirchlicher und internationaler Proteste, unter anderem durch den Altbischof  Kurt Scharf, Bischof  Werner Leich und die Gefangenenhilfsorganisation "amnesty international", die ihn zum "Häftling des Jahres" erklärte, wurde er im Juli 1985 aus der Haft entlassen. Anschließend erhielt er eine Anstellung als kirchlicher Handwerker in Ebersdorf im Kreis Lobenstein, wo er im Jahr 1989 an der Besetzung der MfS-Kreisdienstelle beteiligt war und Mitarbeiter im thüringingischen Bürgerkomitee zur Auflösung des MfS wurde. Vom MfS erfaßt wurde er in den OPK (Operative Personenkontrolle ) "Philister" u. "Seminar". In den Jahren von 1990 bis 1994 war er Abgeordneter im Kreistag Lobenstein für die "Kirchliche Wählergemeinschaft" und lebte als Holzbildhauer mit seiner Familie in Tegau im Saale-Orla-Kreis. (Stand 2012) (Quelle: Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“)

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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