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31.12.1949 Stalin nicht erwünscht im Krankenhaus
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Diese Aufzeichnung ist dem Geraer Arzt und Gefäßchirurg Dr. Heiner Hünicke zu verdanken, der einst die Geschichte der Geraer Krankenhäuser nieder geschrieben hatte. Diese Zusatzinformation ist wörtlich aus dem Buch übernommen.

Zum Jahreswechsel 1949/50 hingen an den Eingangstüren der chirurgischen Stationen 3 und 5 zwei Schilder mit dem Hinweis, dass hier Jugendaktive der FDJ arbeiteten. Sie waren zu Ehren des Geburtstages von Generalissimus Stalin (21.12.1879, die Redaktion der Chronik) ins Leben gerufen worden. Prof. Hilgenfeldt kehrte postwendend um, als er dies las und wollte die Stationen erst wieder betreten, wenn die Schilder entfernt waren. Prof. Behr beschwichtigte und ließ die Schilder überpinseln. Am 3. Januar 1950 erschien im Thüringer Volk ein Artikel mit dem Titel: Der "unpolitische" Chefarzt. Im Untertitel hieß es: Wir fordern. Nehmen Stellung! Und im Text: " Wie lange glaubt Prof. Hilgenfeldt sich noch unserer demokratischen Entwicklung ungestört entgegenstellen zu können? Wie kann sich Prof. Behr dazu versteigern, zu behaupten, Politik gehört nicht ins Krankenhaus? Es kann heute keinen unpolitischen Arzt geben!"
Zur Bereinigung der Atmosphäre gab es am 20. Februar 1950 eine Aussprache mit Minister Albrecht. Dabei sagte Prof. Hilgenfeldt "Ich wünsche nicht, dass in diesem Haus Leute den Versuch machen, durch politische Arbeit denen vorgesetzt zu werden, die in ihrer Fachlichen Leistung höher stehen."
Prof. Behr unterstützte ihn. " Der Ruf des Städtischen Krankenhauses war schlecht wegen der Politik, die hier im Haus betrieben wurde. Wir haben uns fest vorgenommen, dass die Politik in unserem Krankenhaus keine Rolle mehr spielen soll."

Ende des Zitats

Professoren Otto Hilgenfeldt wurde kurz danach an die Berliner Charite´ weggelobt und verließ dann 1951  die gerade gegründete DDR in Richtung Westen. In Bochum leitete er die chirurgische Abteilung an der Augusta-Krankenanstalt bis zum Jahr 1966.
1964 wurde er in Paris Präsident der "Internationalen Liga zum Schutz der Hand" und im Jahr 1966 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Professor Otto Hilgenfeldt verstarb 1983 hoch angesehen in Bochum.

Mike Strunkowski für die Gera Chronik im Juni 2009

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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