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1923 Falschgeld in Umlauf gebracht
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Die Inflation

Die Kaufkraft nahm ab, da das Geld immer weniger wert war. Arbeiter bekamen ihren Lohn wie Tagelöhner nicht mehr einmal die Woche ausgezahlt, sondern jeden Tag. Das war in den Fabriken und den anderen Arbeitsstellen im ganzen Land ein logistischer Aufwand, auch durch die tägliche Beschaffung von so viel Bargeld, wie ihn niemand vorher kannte. Das Geld musste ja täglich und an jeden einzelnen Mitarbeiter persönlich gegen Quittung und Unterschrift ausgezahlt werden. Die Arbeiter standen nach ihrem harten entbehrungsreichen Arbeitstag, mindestens 10 bis 12 Stunden täglich an 6 Tagen in der Woche, in einer langen Schlange am Geldausgabeschalter. Niemand wusste zu dieser Zeit, ob er für seinen Tageslohn noch etwas zu Essen kaufen konnte, noch ob es Lebensmittel gab oder ob es zum Leben reichte. Den einen Tag kostete ein Brot noch 1.000 Reichsmark und am anderen 1.000.000 Reichsmark. Die Preise erreichten ein Rekordniveau und Lebensmittel wurden zu Preisen verkauft, deren Höhe in einer Zahl ausgedrückt den meisten Menschen fremd war. Ein Arbeiter verdiente als Alleinverdiener seiner Familie etwa 1.100 Reichsmark im Jahr zu dieser Zeit. Tausend Reichsmark auf einem Haufen bekamen die normalen Menschen bis zur „Inflation“, der Abwertung des Geldes, in ihrem ganzen Leben nicht zu Gesicht. Nun sollte ein Brot 1.000.000 Reichsmark oder mehr kosten. Der höchste von der Reichsbank verausgabte Geldschein hatte einen Wert von 10.000.000.000 Reichsmark. Niemand sah damals wirklich noch durch, da ja ständig neue noch höhere Geldwerte auf Papier gedruckt wurden. Am Ende waren die Scheine das Papier, auf dem sie gedruckt waren, nicht einmal mehr wert. Zunehmend wurde wieder vergegenständlicht untereinander gehandelt. Ware gegen Ware, wenn auch überteuert, wurde also wieder gehandelt. Ein Ehering gegen ein Abendessen oder eine Stange Zigaretten gegen etwas Milch für die Kinder. Der Schwarzmarkt blühte in jeder Stadt und war ein zunehmendes Ärgernis für die Ordnungshüter, die, ja selbst an Mangel leidend, gegen den illegalen Handel vorgingen. Man konnte oder musste sogar von einer wachsenden Verelendung unter weiten Teilen der Bevölkerung reden.
Durch die folgende Weltwirtschaftskrise wurde die Not noch größer und war ein Grund für die zunehmende Radikalisierung in der Politik, dem dann ja ein deutlicher Rechtsruck folgte.

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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