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19.07.1937 Thomas Ammer geboren
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Über Thomas Ammer

In Folge des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 beschlossen Ammer sowie die Mitschüler Reinhard Spalke, Günter Schwarz, Ludwig und Wilhelm Ziehr sowie Johann Frömel die Gründung einer politischen Gruppe. Diese später in den westlichen Medien als „Eisenberger Kreis“ bezeichnete Gruppe machte es sich zur Aufgabe, auf Fälle politischer Willkür aufmerksam zu machen. Sie fertigen Flugblätter an, versahen Mauern mit Losungen oder beseitigten Symbole der SED. Ammer gehörte hierbei dem informellen Führungskreis der konspirativ agierenden Gruppe an. 1955 absolvierte Ammer sein Abitur und nahm ein Studium der Medizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf. Um ein Zeichen gegen die Remilitarisierung der DDR zu setzen, steckten Ammer und weitere Mitglieder des Eisenberger Kreises am 21. Januar 1956 einen Schießstand der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), der SED-Kampfgruppen und Volkspolizei in Brand. 1957 plante der Eisenberger Kreis einen Aufruf an Hochschulprofessoren, sich gegen die zunehmende Gleichschaltung der Hochschulen aufzulehnen. Nach außen verhielt sich die Gruppe unauffällig und angepasst. So war Ammer sogar FDJ-Sekretär seines Studienjahrgangs. Dennoch geriet die Gruppe zusehends in den Fokus der Staatssicherheit. 1957 gelang es einem Spitzel des Ministeriums, Kontakt zur Gruppe aufzunehmen. Nach neunmonatiger Ermittlung wurde Thomas Ammer am 13. Februar 1958 vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet und in das MfS-Untersuchungsgefängnis Gera eingeliefert. Bis zum April 1958 wurden knapp 40 Jugendliche festgenommen. Fünf weitere konnten vor ihrer Festnahme nach West-Berlin fliehen. Das Bezirksgericht Gera fällte 24 Urteile mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von zusammen 116 Jahren. Thomas Ammer als Kopf der Gruppe bekam dabei die höchste Strafe. Er wurde am 27. September 1958 wegen „Staatsverrat“ zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Strafe saß er zunächst im Zuchthaus Waldheim, später im Zuchthaus Brandenburg ab. Die letzte Wochen seiner Haft verbrachte er im MfS-Untersuchungsgefängnis Berlin-Lichtenberg. Nach sechs Jahren Haft wurde Ammer 1964 als einer der ersten politischen Gefangenen von der Bundesrepublik freigekauft und am 14. August 1964 dorthin entlassen. Dort studierte er Politikwissenschaften, Jura und Geschichte an den Universitäten Tübingen, Bonn und Erlangen. Anschließend arbeitete er als Redakteur einer Zeitschrift sowie als Historiker am Institut für Gesellschaft und Wissenschaft in Erlangen. Da er sich in diversen Publikationen weiterhin politisch mit der DDR auseinandersetzte, wurde er auch in der Bundesrepublik vom MfS beobachtet und bearbeitet. Von 1968 bis 1982 gehörte Ammer der SPD an. 1975 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Gesamtdeutschen Instituts in Bonn. Vom MfS mit einer unbefristeten Einreisesperre belegt, reiste er erst nach der Friedlichen Revolution wieder in die DDR. Nach der Abwicklung des Gesamtdeutschen Instituts wechselte Ammer 1991 zur Bundeszentrale für politische Bildung. Von 1992 bis 1998 war er Mitarbeiter im Sekretariat der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestags zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. (Stand April 2012)

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18.01.2015
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